Bija Mantra
Aus yogawiki
Unter den Meditationswörtern (Mantra) spielen die einsilbigen Bija-Mantren (Sanskrit „bija“: Samen) eine besondere Rolle. Zu ihnen gehört die „Mutter aller Mantren“, OM, und die häufig als „Keimblatt“ beschriebenen Silben LAM, VAM, RAM, YAM und HAM. Ihre Herkunft geht der Überlieferung nach auf die Entstehung die 50 Laute des Sanskrit-Alphabets zurück, die die Rishis als feinstoffliche Klänge hörten und sammelten. So wie viele Wörter der Veden bezeichnen sie nicht einen Gegenstand – vielmehr erleben Yogis in den Schwingungen ihres Klangs jene Kraft, die den Gegenstand hervorbringt. Damit baut der vedische ähnlich wie der biblische Schöpfungsmythos („Am Anfang war das Wort“) auf der Vorstellung vom Klang als Urstoff der Welt auf. Das wiederholte Tönen eines Mantras heißt Japa (sanskrit für „murmeln“). Schon die Upanishaden empfehlen die Meditation über den Schöpfungsklang OM. Das im 17. Jahrhundert entstandene Hatha-Yoga-Handbuch Gheranda Samhita ordnet jedem der sechs Energiezentren (Chakra) im Körper ein Bija-Mantra zu: LAM dem Becken (Wurzel- oder Muladhara Chakra), VAM dem Unterbauch (Svadhisthana Chakra), RAM dem Solarplexus (Manipura Chakra), YAM dem Herzen (Anathata Chakra), HAM der Kehle (Vishuddhi Chakra), OM der Stirn (Ajna Chakra) und die nachklingende Stille dem Scheitel (Sahasrara Chakra). Die Bijas mit der Konzentration auf das jeweilige Chakra zu tönen, ist sehr beliebt, sollte allerdings von einem erfahrenen Lehrer angeleitet werden.
